Fußball ist eine der beliebtesten und gleichzeitig verletzungsintensivsten Sportarten in Deutschland. Mit engen Zweikämpfen, schnellen Richtungswechseln und wiederkehrenden Sprung- und Landebewegungen werden besondere Anforderungen an den Körper gestellt. Einfache sportpraktische Maßnahmen und zusätzliches Wissen können dazu beitragen, das Verletzungsaufkommen zu reduzieren.
Zahlen, Daten, Fakten – Verletzungen im Fußball
Stiftung Sicherheit im Sport
Die Auswertung der gemeldeten Sportunfälle bei der ARAG Sportversicherung zeigt deutlich: Im Jahr 2024 traten Verletzungen im Fußball vor allem am Kniegelenk, Fuß und Kopf auf. Damit folgt die Sportart dem Muster vieler dynamischer Spielsportarten.
Top 3 verletzte Körperregionen
Kniegelenk – 30 %
Das Knie ist hohen Belastungen ausgesetzt und reagiert anfällig auf abrupte Stopps, Richtungswechsel und Zweikämpfe. Häufig kommt es zu Rupturen (z. B. Kreuzband) und Frakturen sowie Prellungen.
Fuß und Sprunggelenk – 20 %
Typische Verletzungssituationen sind Umknicken beim Richtungswechsel oder die Landung nach einem Sprung. Entsprechend treten häufig Frakturen und Bandverletzungen im Sprunggelenk auf.
Kopf – 15 %
Durch Kollisionen oder Stürze kommt es meistens zu Prellungen, Frakturen oder Gehirnerschütterungen.
Einordnung der Verletzungen
Die Verteilung der Verletzungen zeigt: Fußball fordert den gesamten Körper – besonders aber die unteren Extremitäten. Aussagen zum exakten Unfallhergang lassen sich aus den reinen Meldedaten nicht exakt ableiten und basieren auf einer Kombination der Verletzungsdaten und dem aktuellen Stand der Wissenschaft. Die Häufigkeit der Verletzungen unterstreicht jedoch die Bedeutung von präventiven Maßnahmen.
Warm-up: Eine der einfachsten & wirksamsten Maßnahmen zur Verletzungsprävention
Ein gut aufgebautes Warm-up ist eine der einfachsten und gleichzeitig wirksamsten Möglichkeiten, Verletzungen im Fußball zu verhindern. Studien zeigen, dass ein regelmäßiges, strukturiertes Aufwärmen bis zu 30–50 % aller Verletzungen reduzieren kann.
Damit ein Warm-up richtig wirkt, sollte es mehr sein als „ein bisschen laufen“: Es bereitet den Körper gezielt auf typische Fußballbewegungen wie Sprinten, Abstoppen, Richtungswechsel, Sprünge und Zweikämpfe vor.
Warum ein gutes Warm-up so wichtig ist
Verbesserte Kontrolle über Knie und Sprunggelenk, die am häufigsten verletzten Bereiche
Gezielte Aktivierung der Muskulatur für eine bessere Reaktions- und Stabilisationsfähigkeit
Verbesserte Landetechnik, was nachweislich Knie- und Sprunggelenksverletzungen reduziert
Wache und bewegungsbereite Spieler*innen
Warm-up für Kinder (7–13 Jahre)
Kinder haben andere Voraussetzungen als Erwachsene. Sie lernen Bewegungen schneller, haben aber auch weniger Stabilität, besonders während des Wachstumsschubs. Das Aufwärmprogramm FIFA 11+ Kids wurde von der FIFA speziell für Kinder entwickelt. Als Übungsbestandteile empfehlen sich zusammenfassend die folgenden Inhalte:
Warm-up-Inhalte für Kinder:
spielerische Laufübungen mit Bewegungskommandos (z. B. Einbeinstand bei Stopp-Kommando)
einfache Kräftigungsübungen für die Beine und den Rumpf (z. B. Kniebeugen)
sichere Landungen nach einem Sprung üben
Fallübungen einschließen (z. B. kontrollierte Vorwärtsrolle)
Wichtig: Bei Kindern steht die saubere Bewegungsausführung vor der Intensität.
Warm-up für Jugendliche und Erwachsene (ab 14 Jahren)
Hier geht es stärker darum, den Körper gezielt auf Belastung vorzubereiten:
Laufübungen aus dem Lauf-ABC zur Aktivierung des Kreislaufs und zur Mobilisation der Gelenke (z. B. seitlicher Hopserlauf)
Übungen zur Stabilität und Kraft (Beine & Rumpf)
einfache Gleichgewichtsübungen sowie kontrollierte Sprünge und Landungen
Diese Kombination stärkt die Muskeln, die Gelenke und vor allem die Bewegungsqualität.
Praktisches Beispiel: 10-Minuten-Warm-up ab 14 Jahre
1. Laufübungen (5 Minuten)
Je Übung eine Minute. Laufübungen verbessern die Koordination, fördern die Aktivierung und bereiten auf typische Fußballaktionen vor.
Locker einlaufen
Seitgalopp
Hopserlauf
Vorwärts-/Rückwärtslaufen mit kurzen einbeinigen Stoppbewegungen
2. Kräftigung & Stabilisation (4 Minuten)
Je Übung 2×30 Sekunden. Die Kräftigung der Bein- und Rumpfmuskulatur stabilisiert das Knie- und Sprunggelenk.
Ausfallschritt
Kniebeuge mit Zehenstand
Beckenheben
Unterarmstütz
3. Landeschulung (1 Minute)
Je Übung 30 Sekunden. Übungen zur Verbesserung der Sprung- und Landequalität schützen vor Bänder- und Gelenkverletzungen.
Beidbeinige Sprünge über eine Linie
Fokus: leise, kontrollierte Landung
Diese drei Bausteine sind leicht umsetzbar, benötigen keine Hilfsmittel und passen in jedes Training und jedes Aufwärmen vor dem Spiel.
Das Wichtigste für Trainer*innen
Regelmäßigkeit schlägt Perfektion: 2–3× pro Woche wirkt am besten.
Qualität vor Geschwindigkeit: lieber sauber ausgeführt als „schnell und schlampig“.
Alle mitnehmen: Übungen an das Niveau der Gruppe anpassen.
Weiterdenken: Warm-up ist Training und stärkt langfristig Leistungsfähigkeit und Gesundheit.
Präventions- und Sicherheitsprogramme – Empfehlungen für die Praxis
Um Spieler*innen bestmöglich zu schützen, ist der Einsatz von Präventionsprogrammen, die zum Teil als App-Format zur Verfügung stehen, sehr hilfreich. Beim Verdacht auf eine vorliegende Kopfverletzung empfehlen wir besonders im Trainings- und Spielbetrieb die Nutzung der Gehirnerschütterungs-Test-App (GET-App), die kostenlos zur Verfügung steht.
Die folgenden Programme und Apps sind wissenschaftlich geprüft, leicht einsetzbar und lassen sich in den Trainingsbetrieb oder Spieltagsablauf gut integrieren:
FIFA 11+
Eines der weltweit bestuntersuchten Programme zur Verletzungsprävention. Beinhaltet Lauf-, Kraft-, Gleichgewichts- und Sprungübungen. Reduziert nachweislich die Häufigkeit und Schwere von Verletzungen.
11+ Kids
Von der FIFA entwickeltes Warm-up für Kinder zwischen 7–13 Jahren. Verbessert Gleichgewicht, Kraft, Aufmerksamkeit und Landetechnik.
IOC-App „GET SET“
Mehr als 100 sportartspezifische Übungen zur Prävention typischer Verletzungsmuster. Kostenfrei und sehr praxisnah aufbereitet.
PEP-Programm
Effektives Präventionsprogramm speziell zur Reduktion von vorderen Kreuzbandverletzungen. Besonders geeignet für Spieler*innen mit Belastungs- oder Verletzungsvorgeschichte.
GET-App (Gehirn-Erschütterungs-Test-App)
Die GET-App ist ein praxisnahes, wissenschaftlich geprüftes Instrument zur ersten Einschätzung einer möglichen Gehirnerschütterung. Sie unterstützt Trainer*innen, Betreuende und Spieler*innen dabei, Symptome schnell und strukturiert zu erfassen.
Schutzausrüstung und der sichere Sportplatz
Stiftung Sicherheit im Sport
Das Tragen von Schienbeinschützern bietet nachweislich erheblichen Schutz vor Schienbeinfrakturen. Es wird nicht nur für das Spiel, sondern auch für das Training empfohlen. Oftmals werden sie in Verbindung mit einem Knöchelschutz angeboten, dessen Tragen ebenfalls empfohlen werden kann.
Besonders wichtig ist es außerdem, dass die Spieler*innen Schuhe tragen, die zum jeweiligen Boden passen. Auf Rasen sind dies meist Schuhe mit Stollen, die für guten Halt im Boden sorgen. Auf Kunstrasen sind Nockenschuhe zu empfehlen. Mehr Infos hier.
Der sichere Fußballplatz – Grundlage für sicheres Fußballspielen
Stiftung Sicherheit im Sport
Nur auf einem gut gepflegten und bespielbaren Platz kann sicher Fußball gespielt werden. Es ist zunächst Aufgabe des Betreibers, den Platz in Stand zu halten. Aber auch Trainer*innen und Spieler*innen sollten den Platz oder die Halle vor Beginn des Trainings oder des Spiels kurz checken. Denn bei vielen Verletzungen geben Fußballer*innen an, dass auch die Bodenverhältnisse zur Sportverletzung beigetragen haben.
Speziell bei Kunstrasenplätzen spielt die Pflege eine wichtige Rolle für die sichere Nutzung. So kann im Sommer die Temperatur des Kunstrasens durch Beregnung reduziert werden, was auch die Lebensdauer positiv beeinflusst. Auch die Gleiteigenschaften des Materials werden so konstant gehalten. Darüber hinaus muss Kunstrasen regelmäßig aufgebürstet werden und Einfüllmaterial ergänzt werden. Mehr Infos hier.
Mobile Tore sollten gegen Kippen gesichert sein. Auch bei ihrem Transport muss auf die Sicherheit geachtet werden. Eine Broschüre des Deutschen Fußball-Bundes bietet eine gute Übersicht zur Verkehrssicherungspflicht und wichtige Tipps zum sicheren Umgang mit Ballspieltoren. Mehr Infos hier.
Fair Play von Spieler*innen, Trainer*innen und auch Zuschauer*innen
Fußball lebt von Leidenschaft – aber nicht von Gewalt. Leider kommt es auch im Amateurbereich immer wieder zu aggressivem Verhalten auf und neben dem Platz. Dabei gilt: Zweikämpfe gehören zum Spiel, Gewalt jedoch nicht. Besonders Schiedsrichter*innen erleben regelmäßig Beleidigungen oder körperliche Übergriffe – ein ernstes Problem für die Sicherheit im Sport.
Der Berliner Fußballverband setzt mit seiner Kampagne „No to aggressive parents“ ein klares Zeichen gegen unangemessenes Verhalten am Spielfeldrand. Die Aktion zeigt, wie groß der Einfluss von Eltern und Zuschauer*innen auf das Fair Play der Kinder ist.
Auch der DFB stärkt mit der Fair-Play-Liga den respektvollen Umgang im Kinder- und Jugendfußball. Das Konzept schafft einfache, wirksame Rahmenbedingungen, die jungen Spieler*innen Freude, Sicherheit und Fairness vermitteln.
Betreuung und Begleitung von Fußballer*innen durch medizinische Fachleute
Rund 10 Prozent aller Verletzungen im Fußball betreffen den Kopf. Bei einem möglichen Verdacht auf eine Gehirnerschütterung ist sofortiges und umsichtiges Handeln entscheidend.
Mit Hilfe der „Taschenkarte Gehirnerschütterung“ oder digitalen Tools wie der GET-App können auch Trainer*innen und Betreuende typische Warnzeichen erkennen und erste Entscheidungen treffen. Grundregel: Im Zweifel immer raus! Anschließend sollte eine medizinische Abklärung erfolgen.
Eine frühe Diagnose verbessert die Heilungschancen deutlich und hilft, schwere Folgen wie das Second-Impact-Syndrom zu vermeiden. Dieses kann auftreten, wenn nach einer ersten Gehirnerschütterung zu früh wieder Sport betrieben wird. Mehr Infos hier.
Sporttauglichkeit – wann ist ein ärztlicher Check notwendig?
Besteht Unsicherheit, ob Spieler*innen belastbar oder sporttauglich sind, sollte immer ärztlicher Rat eingeholt werden. Das gilt insbesondere bei:
anhaltenden Schmerzen,
ungeklärtem Schwindel, Atemnot oder Brustbeschwerden,
akuten Infekten,
angeborenen oder erworbenen Herzfehlern.
Gerade Herz-Kreislauf-Erkrankungen können auch bei jungen Sportler*innen zu lebensbedrohlichen Situationen führen, wenn sie unerkannt bleiben. Ein medizinischer Check schützt nicht nur die Spieler*innen selbst, sondern stärkt auch die Verantwortungskultur im Team. Mehr Infos hier.
Fazit: Gemeinsam für mehr Sicherheit im Fußball
Fußball soll Spaß machen und dafür braucht es sichere Bedingungen. Die Datenlage zeigt sehr deutlich, dass vor allem Knie, Fuß und Kopf gefährdet sind. Gleichzeitig wird klar: Viele Verletzungen lassen sich mit einfachen Maßnahmen deutlich reduzieren.
Ein gutes Warm-up, passende Präventionsprogramme, sichere Fußballplätze und die richtige (Schutz-)Ausrüstung tragen wesentlich dazu bei, Spieler*innen gesund zu halten. Ebenso wichtig sind ein respektvolles Miteinander und aufmerksames Handeln bei potenziellen (Kopf-)Verletzungen.
Wenn Vereine, Trainer*innen, Spieler*innen und Eltern zusammenarbeiten, kann Fußball nicht nur leidenschaftlich, sondern auch sicher und verantwortungsvoll gespielt werden.
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