Handball – dynamisch, intensiv und sicher gestalten
Im Handball kommen Verletzungen der unteren Extremitäten besonders häufig vor. Hierbei sind vor allem das Knie und das Sprunggelenk betroffen. Das Risiko dieser handballtypischen Verletzungen lässt sich jedoch durch einfach durchzuführende Warm-Ups nachweislich um etwa die Hälfte senken. Darüber hinaus sind auch weitere Maßnahmen zur Prävention sinnvoll, um Handballer*innen vor Verletzungen zu schützen.
Zahlen, Daten, Fakten – Verletzungen im Handball
Die Auswertung der bei der ARAG Sportversicherung gemeldeten Vereinsunfälle zeigt deutlich, welche Körperregionen im Handball im Jahr 2024 besonders häufig betroffen waren. Die meisten Verletzungen entfallen auf das Knie, gefolgt von Kopf, Fuß, Hand und Schulter:
Stiftung Sicherheit im Sport
Knie – 30%
Über die Hälfte aller Knieverletzungen waren Bänderrupturen (z. B. Kreuzband), gefolgt von Frakturen.
Kopf – 19%
Rund 40 % der gemeldeten Kopfverletzungen waren Frakturen (z. B. des Jochbeins). Gehirn- oder Nervenverletzungen machten etwa 5 % aus.
Fuß/Sprunggelenk – 18%
Etwa die Hälfte der Verletzungen im Fuß- bzw. Sprunggelenksbereich waren Rupturen, gefolgt von Frakturen (25 %).
Hand/Handgelenk – 18%
Hier dominierten Frakturen mit 63 %, gefolgt von Rupturen, die rund 15 % aller Handverletzungen ausmachten.
Schulter – 6%
Ein Drittel der Schulterverletzungen waren Luxationen, gefolgt von Frakturen (23 %).
Ergänzend zeigt der aktuelle Stand der Wissenschaft, dass Handballer*innen neben akuten Verletzungen (z. B. Kreuzbandriss) auch häufig unter Überlastungsverletzungen der Schulter leiden. Diese sogenannten „Overuse“-Beschwerden entwickeln sich schleichend, werden mit der Zeit zunehmend belastend und können zu funktionellen Einschränkungen führen, etwa zu anhaltenden Schmerzen beim Werfen.
Fazit:
Die vorliegenden Daten machen deutlich, dass im Handball insbesondere Knie-, Kopf-, Fuß-, Hand- und Schulterverletzungen eine zentrale Rolle spielen. Während akute Verletzungen vor allem durch Rupturen, Frakturen und Luxationen geprägt sind, treten im Bereich der Schulter zusätzlich häufig Überlastungsprobleme auf, die langfristige Einschränkungen verursachen können.
Wie kann das Verletzungsrisiko im Handball gesenkt werden?
Gezielte Prävention kann wesentlich dazu beitragen, Verletzungen zu reduzieren. Die folgenden Elemente haben sich als besonders wirksam erwiesen:
Neuromuskuläre Präventionsprogramme
Studien zeigen, dass strukturierte Warm-up-Programme das Risiko für Verletzungen der unteren Extremitäten deutlich senken können. Dazu gehören Übungen für Stabilität, Koordination, Kontrolle von Knie- und Sprunggelenk sowie funktionelle Kräftigung.
Trainingsprogramme mit Fokus auf Beinachsenstabilität
Besonders im Jugend- und Amateurbereich kann ein regelmäßiges Training der Beinachsenkontrolle die Ausführung von Sprüngen, Landungen und schnellen Richtungswechseln verbessern.
Schulterprävention durch gezielte Kräftigung
Wissenschaftliche Empfehlungen, wie das 11+ Schulterprogramm, betonen die Bedeutung der gezielten Stärkung und Koordination der Schultermuskulatur, um der anhaltenden Wurfbelastung entgegenzuwirken. Hierzu empfiehlt sich das Folgende:
Ein gut strukturiertes Warm-up ist einer der effektivsten Faktoren zur Verletzungsprävention. Es bereitet den Körper auf die Belastungen des Spiels vor und verbessert Kraft, Koordination und Stabilität.
Bestandteile eines effektiven Handball-Warm-ups
Mobilisation & Beweglichkeit
Dynamische Bewegungen für Wirbelsäule, Hüfte und Schulter verbessern die Bewegungsvorbereitung.
Laufkoordination & Aktivierung
Elemente des Lauf-ABC sowie Richtungs- und Tempowechsel bereiten auf Spielsituationen vor.
Stabilisation & Kräftigung
Übungen für Rumpf und untere Extremitäten verbessern die Körperspannung und unterstützen sichere Bewegungsmuster (z. B. Unterarmstütz & Kniebeugen).
Schulterkontrolle
Leichte Kräftigungsübungen, Stabilisation des Schulterblattes und kontrollierte Bewegungsabläufe erhöhen die Belastbarkeit beim Werfen.
Beinachsenstabilität & Landetechniken
Einbeinige Standsituationen, Sprung-Landungs-Übungen und Balanceaufgaben verbessern Stabilität und Sicherheit bei dynamischen Bewegungen.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Studien belegen, dass besonders neuromuskuläre Warm-up-Programme das Verletzungsrisiko im Handball reduzieren können – unabhängig von Alter oder Leistungsniveau.
Schutzausrüstung im Handball
(c) Ivana – FreeImages
Ergänzend zur Trainingsgestaltung kann passende Schutzausrüstung zur Sicherheit beitragen:
Hallenschuhe mit gutem Grip und stabiler Sohle
Mundschutz, insbesondere bei intensiven Spielsituationen
Knie- oder Ellenbogenschoner bei Bedarf
Tape oder Bandagen nach individueller Indikation
Die sichere Turnhalle – Grundlage für sicheres Handballspielen
Eine sichere Turnhalle ist die Basis für verletzungsfreies Handballspielen. Zwar liegt die Instandhaltung der Halle in der Verantwortung des Betreibers, dennoch sollten Trainer*innen und Teams die Halle vor jedem Training oder Spiel kurz überprüfen. Viele Verletzungen stehen im Zusammenhang mit ungeeigneten Bodenverhältnissen.
Besonders wichtig sind die Gleiteigenschaften des Hallenbodens, die in der DIN 18032 geregelt sind. Ergänzend beschreibt die DIN TS 79183 Anforderungen an den sicheren Betrieb und die Nutzung von Sporthallen und gibt Hinweise zur regelmäßigen Kontrolle sportbezogener Risiken. Eine unsachgemäße oder nicht normgerechte Pflege kann dazu führen, dass der Boden zu rutschig oder zu stumpf wird. Häufiges Ausrutschen oder Stolpern sind klare Warnsignale und erfordern Handlungsbedarf.
(c) George Takis – FreeImages
Auch die Sicherheit der Handballtore spielt eine zentrale Rolle. Neben normgerechten Toren nach DIN EN 749 gewinnen sogenannte „Safe Goals“ an Bedeutung. Diese geben bei einem Aufprall nach und können so das Verletzungsrisiko reduzieren. Besonders mobile Tore müssen gegen Kippen gesichert sein – auch beim Transport ist auf einen sicheren Umgang zu achten.
Fair Play von Spieler*innen, Trainer*innen und auch Zuschauer*innen
Auch im Amateurhandball kommt es leider immer wieder zu verbaler oder physischer Gewalt auf und neben dem Platz. Obwohl Handball ohne Zweikämpfe nicht denkbar ist, hat jede Form von Gewalt keinen Platz im Sport!
Der Bayrische Handball-Verband versucht mit seiner Kampagne „Fair Play am Spielfeldrand“ Eltern dafür zu sensibilisieren, dass sie mit ihrem Verhalten am Spielfeldrand großen Einfluss auf die Spieler*innen haben.
Betreuung und Begleitung von Handballer*innen durch medizinische Fachleute
Im Handball betreffen über 16 % der gemeldeten Verletzungen den Kopf. Besteht der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung, ist besonnenes und konsequentes Handeln besonders wichtig. Mithilfe der Taschenkarte zur Erkennung einer Gehirnerschütterung können auch medizinische Laien erste Warnzeichen einschätzen. Im Zweifel sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen. Eine frühzeitige Diagnose unterstützt die Heilung und hilft, schwerwiegende Folgeprobleme – wie das Second-Impact-Syndrom – zu vermeiden. Mehr Informationen hier.
Auch die Sporttauglichkeit sollte bei Bedarf überprüft werden. Eine ärztliche Untersuchung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn gesundheitliche Einschränkungen vermutet werden – etwa bei bekannten oder unentdeckten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch nach Verletzungen sollte vor der Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb geprüft werden, ob eine ausreichende Belastbarkeit besteht.
Für die Wiederaufnahme des Handballsports stehen praxisnahe Handlungshilfen zur Verfügung, darunter der Return-to-Sport-Ratgeber des Deutschen Handballbundes sowie sportartübergreifende Empfehlungen zum Return to Competition der VBG. Diese unterstützen Vereine dabei, Spieler*innen sicher und schrittweise zurück in den Sport zu begleiten.
Unser Fazit
Handball ist eine körperlich anspruchsvolle Sportart, in der vor allem Knie-, Fuß-, Handgelenks-, Kopf- und Schulterverletzungen häufig auftreten. Neben akuten Verletzungen spielen insbesondere Überlastungsbeschwerden der Schulter eine wichtige Rolle.
Viele dieser Verletzungen lassen sich durch ein regelmäßiges, handballspezifisches Warm-up, gezielte Stabilisationsübungen und sichere Trainingsbedingungen reduzieren. Entscheidend für eine wirksame Prävention ist die konsequente Umsetzung im Trainingsalltag – angepasst an Alter, Leistungsniveau und Vereinsstrukturen.
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