Ein gutes Aufwärmen gehört zu jeder Trainingseinheit und zu jedem Wettkampf. Es bereitet den Körper auf die bevorstehende Belastung vor, aktiviert die Muskulatur und verbessert die Voraussetzungen für koordinierte Bewegungen. Gleichzeitig kann ein gezielt gestaltetes Warm-up dazu beitragen, das Risiko von Sportverletzungen zu reduzieren.
Dabei muss Aufwärmen weder kompliziert noch besonders zeitaufwendig sein. Entscheidend ist, dass die Übungen sinnvoll ausgewählt werden und zu den Anforderungen der Sportart sowie zu den Sportler*innen passen.
Eine einfache Orientierung bietet das La-Mo-Kra-Ko-Prinzip. Die vier Bausteine Laufen, Mobilisation, Kraft und Koordination helfen dabei, ein abwechslungsreiches und wirksames Aufwärmprogramm zusammenzustellen. Schon rund elf Minuten können ausreichen, um die wichtigsten Inhalte in das Training zu integrieren.
Warum ist Aufwärmen so wichtig?
Wer Sport treibt, fordert seinen Körper. Je nach Sportart gehören schnelle Richtungswechsel, Sprünge, Landungen, Würfe, Zweikämpfe oder wiederholte Belastungen dazu. Ein gezieltes Aufwärmen schafft die Voraussetzungen dafür, diese Aufforderungen besser zu bewältigen.
Während des Aufwärmens steigen Herzfrequenz und Durchblutung an. Die Muskulatur wird aktiviert, die Gelenke werden auf größere Bewegungsumfänge vorbereitet und das Zusammenspiel von Muskeln und Nervensystem wird angeregt. Auch die Aufmerksamkeit richtet sich zunehmend auf die bestehende sportliche Aktivität.
Ein gutes Warm-up verfolgt drei zentrale Ziele:
- Den Körper vorbereiten: Herz-Kreislauf-System, Muskulatur und Gelenke werden schrittweise an die Belastung herangeführt.
- Die Bewegungsqualität verbessern: Kraft, Stabilität und Koordination unterstützen kontrollierte Bewegungsabläufe.
- Verletzungen vorbeugen: Regelmäßig durchgeführte, strukturierte Aufwärmprogramme können das Verletzungsrisiko in verschiedenen Sportarten senken.
Dabei gilt: Ein paar lockere Laufrunden allein decken nicht alle Anforderungen eines guten Warm-ups ab. Sinnvoll ist eine Kombination unterschiedlicher Bewegungs- und Übungsformen, die den gesamten Körper und insbesondere die später beanspruchten Körperregionen einbezieht.
Unser Tipp: Das Aufwärmen sollte fester Bestandteil jeder Trainingseinheit sein – nicht nur vor Wettkämpfen oder besonders intensiven Belastungen.
La-Mo-Kra-Ko - vier Bausteine für ein gutes Warm-up

Die Bausteine ergänzen sich gegenseitig. Während Laufen und Mobilisation den Körper zunächst in Bewegung bringen, bereiten Kräftigungs- und Koordinationsübungen gezielt auf sportliche Belastungen vor.
La – Laufen: Den Körper in Bewegung bringen
Der Einstieg in das Warm-up erfolgt mit lockeren, zunehmend dynamischen Bewegungen. Dadurch werden Kreislauf und Muskulatur aktiviert und die Aufmerksamkeit auf die bevorstehende Aktivität gelenkt.
Geeignete Übungen sind beispielsweise lockeres Laufen, Seitgalopp, Hopserlauf oder Rückwärtslaufen. Im weiteren Verlauf können Tempowechsel, Richtungsänderungen und Bewegungen aus dem Lauf-ABC hinzukommen.
Die Intensität sollte langsam gesteigert werden. Ziel ist es, den Körper vorzubereiten – nicht, die Sportler*innen bereits zu ermüden.
Mo – Mobilisation: Beweglichkeit gezielt vorbereiten
Beim Mobilisieren werden Gelenke und Muskelgruppen durch kontrollierte, dynamische Bewegungen auf die Anforderungen des Sports vorbereitet.
Geeignete Übungen sind zum Beispiel dynamische Ausfallschritte, der Wechsel zwischen Rundrücken und Hohlkreuz im Vierfüßlerstand („Katze-Hund“) oder der sogenannte Inchworm, bei dem die Hände aus dem Stand nach vorne wandern und anschließend wieder zurückgeführt werden.
Welche Körperregionen im Mittelpunkt stehen, hängt von der Sportart ab. In Lauf- und Spielsportarten sind unter anderem Sprunggelenke, Hüfte und Wirbelsäule wichtig. Bei Wurf- und Schlagsportarten sollten zusätzlich Schultergürtel und Arme berücksichtigt werden.
Wichtig: Vor dynamischen sportlichen Belastungen stehen aktive Bewegungen im Vordergrund. Längeres statisches Dehnen ist kein notwendiger Standardbestandteil jedes Warm-ups.
Kra – Kraft: Muskeln und Gelenke stabilisieren
Kräftigungsübungen aktivieren Muskelgruppen, die für die bevorstehende Belastung besonders wichtig sind. Sie unterstützen die Stabilität und helfen dabei, Bewegungen kontrolliert auszuführen.
Für viele Sportarten eignen sich Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, etwa Kniebeugen, Ausfallschritte, Unterarmstütz oder Beckenheben. In Sportarten mit hohen Schulterbelastungen können ergänzend Übungen für Schulter und Schulterblatt hinzukommen.
Entscheidend ist eine saubere Bewegungsausführung. Die Übungen sollen aktivieren und fordern, aber nicht zu einer starken Ermüdung führen.
Ko – Koordination: Bewegungen sicher steuern
Zum Abschluss des Aufwärmens werden Bewegungsaufgaben eingebaut, die Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit und Bewegungskontrolle ansprechen.
Dazu zählen beispielsweise Einbeinstand mit Zusatzaufgaben, kontrollierte Sprünge und Landungen, schnelle Richtungswechsel oder Reaktionsübungen auf ein akustisches oder optisches Signal.
Besonders sinnvoll sind Aufgaben, die typische Bewegungen der jeweiligen Sportart aufgreifen. Im Fußball können das Abstoppen und Richtungswechsel sein, im Volleyball Sprünge und Landungen, im Handball zusätzlich Bewegungen zur Schulter- und Rumpfkontrolle.
Das Wichtigste: Nicht jede Übung muss in jedem Training gleich aussehen. Die vier Bausteine bilden einen Rahmen, der an die Gruppe und die Sportart angepasst werden kann.
So funktioniert ein Warm-up in rund 11 Minuten

Ein strukturiertes Warm-up muss nicht viel Zeit kosten. Das folgende Beispiel zeigt, wie sich die vier La-Mo-Kra-Ko-Bausteine in ca. 11 Minuten miteinander verbinden lassen.
Fünf Minuten Laufen einschließlich Mobilisation, vier Minuten Kraft und eineinhalb Minuten Koordination.
Die konkrete Übungsauswahl ist ein redaktioneller Vorschlag für eine allgemein sportliche Gruppe ab dem Jugendalter.
Sie kann und sollte an die jeweilige Sportart angepasst werden.
Phase 1: Laufen und Mobilisation – 5 Minuten
Ziel: Kreislauf aktivieren, die Muskulatur erwärmen und den Körper durch unterschiedliche Bewegungsrichtungen mobilisieren.
- Lockeres Einlaufen
In ruhigem Tempo anlaufen, dabei die Arme aktiv mitnehmen.
- Seitgalopp und Rückwärtslaufen
Zwischen den Bewegungsformen wechseln. Auf ausreichend Abstand achten.
- Lauf-ABC
Kniehebelauf und Anfersen mit kontrollierter Bewegungsausführung.
- Dynamische Ausfallschritte
Im Wechsel einen großen Schritt nach vorne setzen und die Hüfte kontrolliert absenken.
- Mobilisation in Bewegung
Armkreisen, Oberkörperrotationen und kurze Richtungswechel verbinden.
Phase 2: Kraft und Stabilisation – 4 Minuten
Ziel: Die Muskulatur aktivieren und die Kontrolle über Rumpf und Gelenke verbessern.
Die folgenden vier Übungen werden jeweils 30 Sekunden lang durchgeführt und anschließend einmal wiederholt.
- Kniebeugen
Füße etwa hüftbreit aufstellen, Knie beugen und kontrolliert wieder aufrichten.
- Ausfallschritte im Wechsel
Einen Schritt nach vorne setzen, den Oberkörper aufrecht halten und zurück in den Stand kommen.
- Unterarmstütz
Den Körper in einer möglichst geraden Linie stabil halten, ohne ins Hohlkreuz zu fallen.
- Beckenheben
In Rückenlage die Füße aufstellen, das Becken anheben und langsam wieder absenken.
Je nach Sportart können einzelne Übungen ersetzt werden. Bei hohen Anforderungen an die Schulter bieten sich beispielsweise kontrollierte Kräftigungsübungen mit einem Widerstandsband an.
Phase 3: Koordination – 1½ Minuten
Ziel: Gleichgewicht, Gelenkkontrolle und sportartspezifische Bewegungsabläufe verbessern.
Die drei Übungen werden jeweils 30 Sekunden durchgeführt:
- Einbeinstand mit Zusatzaufgabe
Auf einem Bein stehen, das freie Bein bewegen oder auf ein Signal reagieren.
- Sprünge über eine Linie
Mit kleinen, kontrollierten Sprüngen seitlich über eine Markierung springen. Auf stabile Landungen achten.
- Reaktions- und Richtungswechsel
Auf ein Signal kurz anlaufen, abbremsen und die Richtung wechseln.
Worauf kommt es an? Die Bewegungen sollen kontrolliert und technisch sauber ausgeführt werden. Gerade bei Sprüngen und Landungen sind stabile Beinachsen und ein sicherer Stand wichtiger als Geschwindigkeit oder Sprunghöhe.
Wie lässt sich das Aufwärmen an die Sportart anpassen?
Nicht jede Sportart stellt dieselben Anforderungen an den Körper. Ein Warm-up für Fußballer*innen sieht deshalb anders aus als eines für Turner*innen, Schwimmer*innen oder Volleyballer*innen.
Das La-Mo-Kra-Ko-Prinzip bleibt dabei gleich. Angepasst werden vor allem die Übungen und die Schwerpunkte innerhalb der vier Bausteine.

Lauf- und Spielsportarten
In Sportarten wie Fußball, Handball oder Basketball sind schnelle Antritte, Abbremsbewegungen, Richtungswechsel sowie Sprünge und Landungen besonders wichtig.
Hier sollten Übungen zur Stabilität der Beine, zur Kontrolle von Knie und Sprunggelenk und zur sicheren Landung einen festen Platz im Warm-up haben. Laufübungen können schrittweise um Tempowechsel und Reaktionsaufgaben ergänzt werden.

Wurf- und Schlagsportarten
Im Handball, Volleyball, Tennis oder Badminton wird zusätzlich die Schulter stark beansprucht. Deshalb sollte das Warm-up neben der allgemeinen Aktivierung auch die Beweglichkeit und muskuläre Kontrolle von Schultergürtel und Rumpf berücksichtigen.
Geeignet sind beispielsweise dynamische Armbewegungen, kontrollierte Rotationsübungen und leichte Kräftigungsübungen mit Widerstandsbändern.

Turnen und andere technisch anspruchsvolle Sportarten
In Sportarten mit hohen Anforderungen an Körperspannung, Gleichgewicht und Bewegungspräzision sollte das Warm-up besonders auf die späteren Bewegungsformen vorbereiten.
Dazu gehören die Aktivierung der Rumpfmuskulatur, die Mobilisation beanspruchter Gelenke sowie koordinative Aufgaben, die schrittweise an die sportartspezifischen Anforderungen heranführen.
Unser Tipp: Überlegen Sie vor jeder Einheit, welche Bewegungen heute besonders häufig oder intensiv vorkommen. Genau diese Anforderungen sollten sich im Warm-up wiederfinden.
Aufwärmen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene
Neben der Sportart beeinflussen auch Alter, Entwicklungsstand, Trainingserfahrung und individuelle Voraussetzungen die Gestaltung des Warm-ups.
Kinder: Spielerisch bewegen und lernen
Bei Kindern sollte das Aufwärmen abwechslungsreich und spielerisch gestaltet werden. Lauf- und Fangspiele, Gleichgewichtsaufgaben, kleine Sprünge oder Reaktionsspiele eignen sich gut, um unterschiedliche Bewegungsfähigkeiten anzusprechen.
Wichtig sind klare Aufgaben, überschaubare Übungsformen und ausreichend Gelegenheit, Bewegungen auszuprobieren. Im Vordergrund stehen Bewegungsfreude, Koordination und eine kontrollierte Ausführung – nicht maximale Belastung.
Jugendliche: Bewegungsqualität gezielt entwickeln
Im Jugendalter verändern sich Körpergröße, Kraft und Bewegungskoordination. Deshalb lohnt es sich, besonders auf die Qualität von Bewegungen zu achten.
Übungen zur Rumpfstabilität, Beinachsenkontrolle sowie zum Springen, Landen und Abbremsen können sinnvoll in das Warm-up eingebaut werden. Die Schwierigkeit wird entsprechend den Fähigkeiten der Gruppe gesteigert.
Erwachsene: Passend zur Belastung vorbereiten
Bei Erwachsenen sollten Intensität und Übungsauswahl zum Trainingszustand und zur geplanten Belastung passen.
Im Freizeitsport kann ein kompakter Einstieg mit einfachen Übungen ausreichen. Vor intensiven Einheiten oder Wettkämpfen kann es sinnvoll sein, die Belastung schrittweise weiter zu steigern und zusätzliche sportartspezifische Bewegungen einzubauen.
Ältere Sportler*innen: Sicherheit und individuelle Voraussetzungen berücksichtigen
Bei älteren Sportler*innen können Gleichgewicht, Mobilität und kontrollierte Kraftentwicklung stärker im Mittelpunkt stehen. Übungen sollten so gewählt werden, dass sie sicher ausgeführt werden können und weder überfordern noch unterfordern.
Bei Bedarf lassen sich Bewegungsumfänge reduzieren, Übungen im Gehen durchführen oder stabile Haltemöglichkeiten nutzen.
Für alle Altersgruppen gilt: Ein gutes Warm-up orientiert sich an den Menschen, die mitmachen. Es muss nicht für alle gleich aussehen.
Das sollten Trainer*innen und Übungsleiter*innen beachten
Damit das Warm-up seine Wirkung im Trainingsalltag entfalten kann, kommt es nicht nur auf die Übungsauswahl an. Ebenso wichtig sind die regelmäßige Durchführung und eine passende Anleitung.
Regelmäßigkeit ist entscheidend. Ein gutes Aufwärmprogramm sollte zur festen Routine werden. Wer die Übungen regelmäßig wiederholt, schafft die Voraussetzung dafür, Bewegungsabläufe zu verbessern und die Inhalte zunehmend sicher auszuführen.
Die Intensität langsam steigern. Das Warm-up beginnt mit einfachen, weniger belastenden Bewegungen und wird schrittweise dynamischer. Besonders intensive Sprünge, Sprints oder schnelle Richtungswechsel sollten nicht direkt am Anfang stehen.
Qualität geht vor Tempo. Achten Sie bei Kniebeugen, Ausfallschritten und Landungen auf eine kontrollierte Ausführung. Lieber eine Übung vereinfachen, als sie unter Zeitdruck unsauber durchzuführen.
Abwechslung sinnvoll einsetzen. Die vier Bausteine bleiben erhalten, einzelne Übungen können aber variiert werden. So wird das Aufwärmen nicht eintönig und lässt sich auf unterschiedliche Trainingsschwerpunkte abstimmen.
Alle Sportler*innen einbeziehen. Übungen sollten unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zulassen. Wer mehr Unterstützung benötigt, erhält eine einfachere Variante. Fortgeschrittene können durch Zusatzaufgaben stärker gefordert werden.
Auf Beschwerden achten. Schmerzen, Schwindel oder andere auffällige Symptome sollten nicht ignoriert werden. Bei gesundheitlichen Unsicherheiten ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
Unser Fazit - gutes Aufwärmen muss nicht kompliziert sein
Ein gutes Warm-up bereitet den Körper auf sportliche Belastungen vor und kann einen wichtigen Beitrag zur Verletzungsprävention leisten. Dafür braucht es weder aufwendige Geräte noch komplizierte Übungsfolgen.
Mit La-Mo-Kra-Ko – Laufen, Mobilisation, Kraft und Koordination steht Trainerinnen und Übungsleiterinnen ein einfaches Prinzip zur Verfügung, das sich auf unterschiedliche Sportarten und Zielgruppen übertragen lässt.
Schon rund elf Minuten können genügen, um alle vier Bausteine sinnvoll miteinander zu verbinden. Entscheidend ist, dass das Aufwärmen regelmäßig stattfindet, die Übungen kontrolliert ausgeführt werden und die Inhalte zu den Anforderungen der Sportart passen.
Die wichtigste Botschaft: Das beste Aufwärmprogramm ist eines, das regelmäßig und richtig durchgeführt wird.